Seewanderung: Weißer See

11. Jan 2023

Norman Heise
Seewanderung: Weißer See

Vor rund 150 Jahren wurde am Weißen See der Grundstein für einen Vergnügungsort gelegt. Damals wie heute spüren die einen wohlig dieses „Flair“, die anderen sehnen sich nach Ordnung.

Weißensee wurde 1313 erstmals urkundlich erwähnt. Das Rittergut bestand mit unterschiedlichen Besitzern bis ins 19. Jahrhundert hinein. Der letzte Gutsherr hieß Johann Pistorius, ein leidenschaftlicher Kommunalpolitiker und experimenteller Branntweinproduzent.

Schnaps gehörte auch zum Angebot des gastronomischen Betriebes im Schloss Weißensee, das in den 1860er Jahren zusammen mit einem Landschaftspark errichtet wurde. Ab 1877 war das Ensemble vom Alexanderplatz aus in kurzer Zeit mit der Pferdebahn zu erreichen – und damit interessant für den Gastronomen und Brauer Rudolf Sternecker, der die Idee des „Welt-Etablissements Schloss Weißensee“ begründete.

Das Schloss ist abgebrannt, Sterneckers Brauerei beheimatet heute das Kulturhaus Peter Edel. Die Vision vom Weißenseer Tivoli haben andere fortgeführt: 1912 entstand das auf Holzpfählen errichtete und 1980 als Strand mit Ostseesand aufgefüllte Seebad. 1957 kam die Freilichtbühne dazu, 1967 das Restaurant „Milchhäuschen“ mit seiner attraktiven Seeterrasse. Die seit 1969 sprudelnde schwimmende Fontäne ist ein Wahrzeichen Weißensees. Parkbesucher finden heute neben großzügigen Promenaden eine Plansche, einen Spielplatz und einen Bootsverleih.

Und einige lauschige Badestellen jenseits des gebührenpflichtigen Strandbades.

Baden verboten – und vieles andere auch

Amüsemang ist bis heute das Ziel der Menschen aller Generationen, die den Weg zum Weißen See finden. Das ist, gestern wie heute, nicht konfliktfrei – doch um einiges behaglicher als damals. Angeblich führte 1905 der Autor Julius Ernst Wilhelm Stinde, nach entsprechenden Beobachtungen, wohl als Erster derbe Fügungen wie Schnapsleiche, Säufer und Natursäufer in die deutsche Schreibkunst ein. Die Polizei rief, wer dem streng untersagten gemeinsamen Baden von Männern und Frauen nicht tatenlos zusehen mochte.

Ordnungshüter sind heute in anderer Mission unterwegs. Im vergangenen Jahr startete das Bezirksamt den Versuch, dem jahrelang tolerierten „Wildbaden“ jenseits des gebührenpflichtigen Strandbades Einhalt zu gebieten. Ebenso auf der Liste: Radfahren, Baden, Grillen, Shisha rauchen, Lärm machen, Enten füttern und einiges mehr – wenn schon, denn schon. Wer erwischt wird, zahlt eine Ordnungsstrafe.

Die zunehmende Austrocknung des Sees lässt sich natürlich nicht verbieten. Der in den vergangenen 20 Jahren stark gesunkene Wasserstand von über 10 auf rund 8 Meter wird durch technische Maßnahmen kompensiert: Bei ausbleibendem Regen kann aus einer benachbarten Quelle Wasser unter der Aussichtsplattform zugepumpt werden.

Im Sommer tummeln sich bis zu 4000 Menschen im Park und am Ufer, die allermeisten nicht alkoholisiert. Unter den Spaziergängern sind viele Familien mit Kindern.

Jetzt, im Winter, geht es gemächlich zu – eine große Auswahl von Heiß- und Kaltgetränken ist allerdings immer zu finden.

Von den umliegenden Straßen oder der Straßenbahn-Haltestelle gibt es zahlreiche Einstiegspunkte für die Umrundung. Ein Rundweg führt immer in Sichtweite zum Wasser entlang des Sees.

Die Tour zum Nachwandern unter www.komoot.de

Quellen / Leseempfehlungen

www.pankow-weissensee-prenzlauerberg.berlin/de/weisser-see

www.rbb24.de/berlin-pankow-weissensee-wasser-algen-pegel-ufer

www.binbaden.com (Strandbad Weißensee)

www.milchhaeuschen-berlin.de

wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fer_See_(Berlin)

wikipedia.org/wiki/Schloss_Wei%C3%9Fensee

www.peteredel.de/historie/1890-1945

www.in-berlin-brandenburg.com/Weisser-See

taz.de/Wildbaden-am-Weissen-See

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Norman wandert fast jeden Sonntag um einen See herum. Meistens in Brandenburg, manchmal in Berlin, und sogar in seinen Urlauben findet er immer ein Gewässer, das sich umrunden lässt. Seine Ausflüge dokumentiert er auf seinem Blog und der Wanderplattform Komoot. Wir übernehmen die Wandertipps unserer Region und ergänzen sie mit Wissenswertem, interessanten Details oder kuriosen Geschichten, die wir im Netz finden.

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