Digitalisierung: Pilotprojekt zur Schulanmeldung

18. Sep 2020

Daniela von Treuenfels
Digitalisierung: Pilotprojekt zur Schulanmeldung

Wer sein Kind an einer anderen Grundschule als der zuständigen Schule im Einzugsgebiet anmelden möchte, hat bei einigen Schulen die Möglichkeit das online zu erledigen. Die Verwaltung hat dazu ein Pilotprojekt aufgesetzt- ein Feldversuch mit kleinen Tücken.

Die Verwaltung soll digitaler werden, Behördengänge weniger. Auch die Schulanmeldung können Eltern in Zukunft bequem von zu Hause aus erledigen – das ist der ehrgeizige Plan, der schrittweise umgesetzt werden soll.

In diesem Jahr starten Bildungs- und Innenverwaltung ein Pilotprojekt mit dem „Basisdienst Digitaler Antrag“. An 18 Schulen in 5 Bezirken (Mitte, Pankow, Reinickendorf, Spandau, Steglitz-Zehlendorf) können Eltern erstmals die Anträge digital ausfüllen und ohne persönliches Erscheinen abgeben – so ist das Versprechen.

Das stimmt aber nicht ganz. Wer die entsprechende Service-Seite des Landes Berlin aufruft, wird hier darüber informiert, dass man den Antrag hier zwar online ausfüllen kann. Die Eltern müssen das Dokument aber ausgedruckt und unterschrieben zur Schulanmeldung mitbringen. Nix also mit weniger Weg und weniger Zeit. Digital affine Mütter und Väter werden bereits hier entnervt abbrechen. Veralbern lässt sich niemand gerne.

Das Wissen darum, dass ihre Daten „direkt in das IT-Fachverfahren einfließen, mit dem die Daten digital verwaltet werden“ könnte Eltern doch dazu bringen, an dem Pilotprojekt teilzunehmen. Fleißigen Schulsekretärinnen Arbeit ersparen, wer will das nicht. Und daran mitwirken, dass bald „mehr Onlinedienstleistungen für Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung“ stehen, wie Staatssekretärin Sabine Smentek aus der Innenverwaltung es verspricht? Testperson sein für eine moderne IT-Infrastruktur? Sicher doch. Gerne.

Informationen zum Online-Verfahren zur Wahl einer anderen Grundschule finden sich auf den Seiten der Bildungsverwaltung zur Schulanmeldung. Genannt werden hier die betroffenen Bezirke, aber nicht die Schulen. Welche das sind, können Eltern erst mit dem Start der Online-Anmeldung herausfinden. Hier gibt es ein Feld zur Eingabe der Schule, an der das Kind angemeldet werden muss (Details unten). Ob diese zu den Pilotschulen gehört, finden Nutzer heraus, indem sie den ersten Buchstaben des Schulnamens eingeben. Vorsicht mit dem Volksmund: die Amalienhofschule heißt korrekt Grundschule am Amalienhof, die Földerich-Grundschule ist nur vollständig mit dem Vornamen Christoph.

Einmal das ABC durchprobieren, und die Schulen aus dem Pilotprojekt sind beisammen. (Die Liste der Schulen finden Sie unter diesem Text.) Eine spannende Frage ist: was waren die Auswahlkriterien? Ein Kenner der Berliner Schullandschaft bestätigt den Eindruck der Beliebigkeit, er könne hier kein Muster erkennen. Möglicherweise habe man einfach die Schulen mit den fähigsten Sekretärinnen genommen.

Ganz so profan war es dann doch nicht. Aber fast. Ein Sprecher der Bildungsverwaltung sagt auf Anfrage: „wir haben aktive LUSD- Schulen angeschrieben und angefragt. Die Schulen haben sich daraufhin gemeldet.“ LUSD steht für Lehrkräfte-Unterrichts-Schul-Datenbank. Sie befindet sich im Aufbau, hier sollen in Zukunft alle Daten der Berliner Schulen zusammengeführt werden.

Das Pilotprojekt ist also gar kein Testlauf für die Eltern? Sondern ein kleiner Versuchsballon für die Verwaltung? Dann erklärt sich, dass Erziehende nicht breit informiert wurden. Über die Kitas an die Vorschuleltern, über die Elternvertretungen an Interessierte und Betroffene. Die Landeselternvertreter der Kitas und Schulen sagen, sie seien bisher weder informiert noch einbezogen worden.

Für aussagekräftige Ergebnisse wäre der Aufwand größer gewesen: Möglichst viele Eltern hätten den neuen Service testen müssen, um die Usability zu prüfen, Hürden zu identifizieren und Fehler zu korrigieren. Die Auswahl der Schulen wäre eine andere gewesen: Unterschiedliche Einrichtungen in verschiedenen Sozialräumen, mit Familien, die unterschiedliche persönliche und technische Voraussetzungen mitbringen.

Stattdessen testet die Verwaltung sich selbst. Beteiligt sind 18 Grundschulen von insgesamt 364, also knapp 5 Prozent. Das Kriterium der Freiwilligkeit sichert Engagement und Datenbank-Kompetenz, also insgesamt den Erfolg des Pilotprojekts.

Eltern können den Feldversuch auf handfestere Füße stellen, indem sie sich beteiligen und Hindernisse rückmelden. Probleme beim Hochladen von Dokumenten? Anleitung nur auf Deutsch? Warum ist meine Schule nicht dabei? Wer hilft mir, wenn ich nicht weiterkomme? Und so weiter.

Die Teilnahme an der „Guerilla-Online-Anmeldung“ sei allen Eltern empfohlen, die im Einzugsgebiet der folgenden Schulen wohnen und ihr Kind an einer anderen Schule einschulen möchten:

Mitte
GS am Koppenplatz
Rudolf Wissell
SZ
Kronach
Sachsenwald
GS unter den Kastanien
Conrad
Pankow
GS im Moselviertel
GS im Panketal
Klecks
Spandau
GS am Birkenhain
GS am Brandwerder
GS am Amalienhof
Klosterfeld
Christoph Földerich
Konkordia
Carl Schurz
Rdorf
Lauterbach
Ringelnatz

Infos zur Schulanmeldung

gibt es bei uns hier: berlin-familie.de/anmeldung-der-schulanfaenger

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