Distanzunterricht: Klassenarbeiten und Zeugnisse

16. Jun 2021

von Ruby Mattig-Krone
Distanzunterricht: Klassenarbeiten und Zeugnisse

Schüler, die ausschließlich zuhause am Unterricht teilnehmen, müssen nicht unbedingt eine Klassenarbeit mitschreiben. Das darf sich nicht negativ auf die Zeugnisnote auswirken.

Grundsätzlich gilt: Schülerinnen und Schüler, die nicht am Präsenzunterricht teilnehmen unterscheiden sich von Schülerinnen und Schülern, die aufgrund eines Attests nicht teilnehmen dürfen.

Wie ist das geregelt? Die Qualitätsbeauftragte Ruby Mattig-Krone hatte in ihrem Mailpostfach diese Anliegen:

Die Frage:

Ich gehöre, was das Corona-Virus betrifft, zur Risikogruppe und bin noch nicht geimpft. Meine Kinder lernen deshalb ausschließlich zu Hause. Nun wird von meinen Kindern erwartet, dass sie in der Schule an Klassenarbeiten teilnehmen. Das möchten weder ich noch meine Kinder, insgesamt kommen wir mit dem Fernunterricht gut klar. Gibt es eine Möglichkeit der Leistungsbewertung jenseits von Klassenarbeiten?

Die Antwort:

Die gesetzliche Regelung zu Ihrer Problemlage findet sich in der Verordnung zur Anpassung von Regelungen für die Primarstufe und die Sekundarstufe I und II zur Bewältigung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Schuljahr 2020/2021

Zitat:

(3) Bei Schülerinnen und Schülern, die aus gesundheitlichen Gründen während der Pandemie vollständig von der Teilnahme am Präsenzunterricht in der Schule befreit sind und bei denen die Aufsicht im Rahmen der Bearbeitung von Klassenarbeiten und anderen schriftlichen Leistungsnachweisen nicht sichergestellt werden kann, erfolgt eine vergleichbare Leistungsfeststellung in anderer Form. In diesem Fall kann abweichend von § 19 Absatz 8 Satz 3 der Grundschulverordnung die das Fach unterrichtende Lehrkraft nach pädagogischem Ermessen entscheiden, in welchem Umfang die schriftlichen Leistungen in die Zeugnisnote eingehen.

Für Sekundarschulen gilt diese Regelung entsprechend.

Wenn also diese Schülerinnen und Schüler am online-Unterricht teilgenommen und Aufgaben und Arbeitsaufträge erledigt haben, wäre eine Beurteilung trotzdem möglich.


Die Frage:

Wie erfolgt die Leistungsbeurteilung auf Zeugnissen, wenn mein Kind von der Möglichkeit der Aussetzung der Präsenzpflicht Gebrauch macht?

Die Antwort:

Kinder und Jugendliche, die ohne gesundheitliche Gründe von der Möglichkeit der Aussetzung der Präsenzpflicht Gebrauch machen, haben keinen Anspruch auf das schulisch angeleitete Lernen zu Hause (saLzH), da die Lehrkräfte ja wieder voll im Präsenzunterricht eingeteilt sind. Diese Schülerinnen und Schüler müssen aber aktiv in die Kommunikation einbezogen werden und Hausaufgaben und Arbeitsaufträge erhalten.

Wer von der Aussetzung des Präsenzunterrichts Gebrauch macht und deswegen auch nicht an Klassenarbeiten, Tests oder Klausuren teilnimmt, darf nicht mit einer schlechten Note bewertet werden.

Aus Punkt 17 der „Fragen und Antworten zur Leistungsfeststellung im Schuljahr 2020/21

ergibt sich für die Grundschüler, dass der Anteil schriftlicher Leistungen an der Zeugnisnote auch bei reduzierter Zahl von Klassenarbeiten ein Viertel nicht unterschreiten darf (§ 4 Absatz 1 Schulstufen-CO-VID-19-Verordnung 2020/2021).

Sofern Schülerinnen und Schüler also nicht am Präsenzunterricht teilnehmen und keine Klassenarbeiten erbringen, kann ggf. keine Zeugnisnote gebildet werden. Auf dem Zeugnis wird dieses Fach dann mit „o. B.“ (ohne Bewertung) ausgewiesen. Daher sollten die Eltern über die Folgen informiert werden.

Diese Regelung gilt auch für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I, die auch an einem Nachtermin für eine angesetzte Klassenarbeit aufgrund der Aussetzung der Präsenzpflicht nicht teilnehmen können. Siehe Punkt 25 des oben verlinkten Schreibens.

In der schulischen Praxis ist die Unterscheidung zwischen pädagogisch angeleitetem Distanzunterricht für attestierte Risikopatienten einerseits und Heimunterricht als Vorsichtsmaßnahme auf der anderen Seite schwierig.

Update: Ende Mai veröffentlichte die Senatsverwaltung eine leicht veränderte Fassung der "Fragen und Antworten" zu den Leistungsbeurteilungen in den genannten Fällen, um Missverständnisse auszuräumen. Die Konkretisierungen betreffen die Punkte 17-19, 25/27/35/40.

Wie ist das geregelt?

Ruby Mattig-Krone beantwortet als unabhängige Qualitätsbeauftragte der Berliner Bildungsverwaltung Elternfragen. Wir veröffentlichen ausgewählte Beispiele zu aktuellen Themen oder allgemeinen Angelegenheiten.

Rubys Kontaktdaten finden Sie in unserer Übersicht.

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