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Aktualisiert (Donnerstag, den 20. Mai 2010 um 16:19 Uhr) Geschrieben von: Daniela von Treuenfels

81.451 Verbraucher haben online über die dreisteste Werbelüge des Jahres abgestimmt. Mit Abstand die meisten Verbraucher (37,6 Prozent) sahen in Monte Drink von Zott den unverschämtesten Fall von Etikettenschwindel. Das überzuckerte Kindergetränk wird von Zott wie eine gesunde „Zwischenmahlzeit“ beworben.

"Kinderlebensmittel" mit Zucker, Aroma und Zusatzstoffen

Dafür gab es den Goldenen Windbeutel 2010. "Zott suggeriert Verbrauchern, bei Monte handele es sich um ein gesundes und ausgewogenes Produkt und einen „idealen Begleiter für Schule und Freizeit“. In Wahrheit aber steckt in dem „Milchmischgetränk“ vor allem eines: jede Menge Zucker. Umgerechnet 8 Stück Würfelzucker enthält ein Fläschchen Monte – mehr als die gleiche Menge Cola", schreiben die "Essensretter" der Verbraucherinitiative foodwatch auf ihrer Aktionsseite abgespeist.de. "Zott jubelt Eltern eine Zuckerbombe, die dazu noch mit Aroma und Zusatzstoffen aufgepeppt ist, als Zwischenmahlzeit für Kinder unter – unverschämter kann man nicht täuschen."

foodwatch-Kampagne "Abgespeist"

"Abgespeist" heißt die  foodwatch Kampagne "gegen Werbelügen und Etikettenschwindel". Tütensuppen ohne Geschmacksverstärker, Milch von garantiert glücklichen Kühen, gesunder Kinderjoghurt und Frühstücksflocken, die fit machen. Alles da, zum Greifen nah? "Schön wär’s. Aber nicht nur die Tütensuppe lügt. Im Supermarkt gilt: Glauben Sie nicht, was auf der Packung steht. Denn die Lebensmittelindustrie kann eines ganz besonders gut: Verbraucher täuschen", sagen die Verbraucherschützer. "Die Lebensmittelindustrie täuscht Verbraucher systematisch und führt sie in die Irre." Deshalb verleiht foodwatch im Rahmen der Kampagne abgespeist.de 2010 zum zweiten Mal den Goldenen Windbeutel für die "dreisteste Werbelüge" eines Lebensmittelherstellers. Im Jahr 2009 hatte Actimel von Danone den Negativ-Preis bekommen.

Die foodwatch-Kampagne abgespeist.de entlarvt anhand von ganz konkreten Beispielen aus dem Supermarkt, wie die Lebensmittelindustrie Verbraucher mit kleinen Schwindeleien, großen Lügen und gewieften Tricks systematisch täuscht: Von überzuckerten Kinderprodukten über Rezepturverbesserungen, die keine sind, bis hin zu angeblichen „Feinschmecker-Produkten“, die nicht mehr sind als Zusatzstoff-Aromen-Gemische.

Regelmäßig werden auf der Internetseite www.abgespeist.de dreiste Lügen und Etikettenschwindel vorgestellt. Gemeinsam mit den Verbrauchern übt foodwatch Druck auf die Lebensmittelindustrie aus, damit diese ihre irreführenden Werbepraktiken stoppt. "Denn erst wenn Etiketten ehrlich sind, wissen wir wirklich, was wir kaufen. Solange nicht drauf steht, was drin ist und nicht drin ist, was draufsteht, können wir nicht selbst bestimmen, was wir essen. Und wie unser Essen hergestellt werden soll."

Verbraucherprotest wirkt. Das Kindergetränk Frucht-Tiger war eines der ersten auf abgespeist.de vorgestellten Produkte und Kandidat für den „Goldenen Windbeutel 2009“. Seit März 2010 ist der Frucht-Tiger nun mit neuer Rezeptur im Handel erhältlich. Die Essenretter sind zufrieden: "Sowohl die zahnschädigende Citronensäure (E330) als auch die Süßstoffe und die überflüssigen zugesetzten Vitamine sind verschwunden. Einige Sorten enthielten vor der Rezepturänderung zudem Aromen – auch die sind verschwunden. Der Frucht-Tiger besteht jetzt nur noch aus Wasser, Fruchtsaftkonzentrat und ein wenig Fruchtsüße."

Das Erfolgsrezept der Kampagne: Jeder kann sich beteiligen. Mehr als 1.000 Verbraucher, so die Initiatoren, haben sich bei Eckes-Granini namentlich darüber beschwert, dass der Getränkehersteller seinen Frucht-Tiger als „gesunden Durstlöscher“ bewarb, obwohl er neben künstlichen Süßstoffen auch Citronensäure (E330) enthielt. Die ist nämlich ein echter Zahnschmelzkiller, vor allem, wenn sie wie beim „Durstlöschen“ regelmäßig die Zähne umspült. Für die Essenretter von foodwatch zeigt das Beispiel Frucht-Tiger: "Wenn Verbraucher sich gemeinsam über dreiste und irreführende Werbung beschweren, kann die Lebensmittelindustrie das nicht ignorieren."

www.abgespeist.de/der_goldene_windbeutel_2010