Schadstoffbelastung als Qualitätskriterium: Weil viele der von der Stiftung Warentest untersuchten Buntstifte, Fasermaler und Tinten bedenkliche Mengen an unerwünschten Stoffen enthalten, fiel jedes dritte Set durch den Test. Die Bewertung wirft Fragen auf.

Im Test waren allein die königsblauen Tintenpatronen von Schneider bezogen auf ihren Schadstoffgehalt sehr gut – der Rest mangelhaft, erklärt die Stiftung auf ihrer Internetseite. Bei den Buntstiften fielen fünf glatt durch. Sechs Fasermaler erhielten ein "sehr gut". Die Warentester verwenden zwar ihre bekannten Begrifflichkeiten, betonen jedoch: "Klassische Qualitätsurteile wurden nicht vergeben, da ausschließlich die Schadstoffe untersucht wurden."

Was ist ein guter Stift? Einer mit leuchtetenden Farben, einer der auf vielen unterschiedlichen Papiersorten gute Ergebnisse bringt. Den Kinder gerne benutzen, der sich gut halten lässt und den man gut spitzen kann - ein häufiges KO-Kriterium bei minderwertiger Ware. Und was ist ein guter Fasermaler? Einer der nicht schnell austrocknet, den man vielleicht nachfüllen kann. Der so saftig übers Papier streicht, dass man meint gleich würde es spritzen. Und mit brillianten Farben, selbstverständlich.
Von einem Stiftetest würde man vielleicht noch erwarten, dass er auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Kleinkindern, Grundschülern, Jugendlichen und Erwachsenen eingeht. Was für einen dreijährigen perfekt ist, kann für einen Menschen mit zeichnerischen Ambitionen eine Qual sein. Wenn es dann an die Bewertung nach Schadstoffen geht, könnte man denken, dass auch hier die Risikobewertung je nach Alter unterschiedlich ausfällt: Je jünger, desto öfter landet der Stift nämlich im Mund und die Farbe auf der Haut.

Im Test der Stiftung Warentest findet sich nichts dergleichen. Je mehr Schadstoffe, desto schlechter - das ist die simple Botschaft. Bereits wenige Stunden nach der Veröffentlichung gab es den ersten kritischen Kommentar. Ein Nutzer schreibt: "Das Vorhandensein irgendwelcher Stoffe allein ist erst einmal vollkommen irrelevant. Relevant ist allein, wie viel dieser Stoffe beim normalen kindlichen Gebrauch tatsächlich in den kindlichen Organismus gelangen. Und vor allem, ob diese Mengen irgendwelche gesundheitlichen Schäden verursachen können. Würde man dies dem Testergebnis zugrundelegen, dann würden - so meine Vermutung - alle Produkte mit "sehr gut" abschneiden. In dieser Form schürt man aber eher irrelationale Ängste von Helikoptereltern." (Rechtschreibfehler wurden übernommen)

Der Test wirft Fragen auf, weil er Verbrauchern keine geeignete Hilfestellung für eine Kaufentscheidung ist, ganz im Gegenteil. Unsere Prognose: die kritischen Konsumenten - zu deren Urteilsfähigkeit die Stiftung Warentest ihren Teil beiträgt - werden sich weiter zu Wort melden. Man darf gespannt sein.

Den Test Schadstoffe in Stiften und Tinten gibt es in der August-Ausgabe der Zeitschrift test und online hier:
www.test.de/Buntstifte-Filzstifte-und-Tinten

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit (Karl Valentin)

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