In zwei von drei Familien herrscht im Alltag Stress. Grund ist der starke gesellschaftliche Leistungsdruck. Das ergab eine Elternstudie des Online-Lernportals „scoyo“ mit repräsentativer Befragung und Expertenumfrage.

Experten raten zu mehr Gelassenheit

„Bei den hohen Leistungserwartungen von Schule und Gesellschaft ist es wichtig, den Spaß und die Neugier der Kinder nicht aus den Augen zu verlieren und Eltern im Familienalltag zu entlasten“, sagt Daniel Bialecki, Chief Operating Officer von scoyo und Initiator der Studie. Im Rahmen der Studie wurden auch Familienberater, Erziehungs- und Neurowissenschaftler nach Wegen aus der Stressfalle befragt. Die Experten bestätigen den zunehmenden Erfolgsdruck auf Familien. Der dänische Familientherapeut Jesper Juul zum Beispiel sagt: „Kinder und Eltern zahlen einen zu hohen Preis für den allgemeinen Bildungsdruck.“ Die Experten raten zu mehr Gelassenheit und Vertrauen in die eigenständige Lernfähigkeit der Kinder.

Eltern haben hohe Ansprüche...

...an sich selbst und ihre Kinder. 30 Prozent der befragten Eltern geben an, sich im Familienalltag „häufig“ oder „sehr häufig“ gestresst zu fühlen. Weitere 33 Prozent empfinden dies gelegentlich. Der Spagat zwischen Familie und Beruf ist die mit 49 Prozent am häufigsten genannte Ursache für den empfundenen Stress.

Eltern setzen sich jedoch auch selbst starkem Erfolgsdruck aus: Fast die Hälfte (43 Prozent) der Befragten geben an, sich durch den eigenen Anspruch an die Elternrolle unter Druck zu setzen. Fast ebenso viele (42 Prozent) nennen den Wunsch, dem Nachwuchs die beste Ausbildung zu ermöglichen, als weiteren Stressfaktor. Dass falscher Ehrgeiz den Familienalltag strapaziert, bestätigt auch der Neurobiologe Gerald Hüther: „Statt ihre Kinder vor dem Leistungsdruck der Gesellschaft zu schützen, meinen viele Eltern fälschlicherweise, sie schon früh darauf vorbereiten zu müssen.“

Mehr Eigenständigkeit der Kinder entlastet Familien

Bei steigenden Leistungsanforderungen in der Schule würden drei Viertel der Befragten ihre Kinder aktiv unterstützen. 71 Prozent geben aber auch an, ihre Kinder lediglich motivieren zu wollen, ohne direkt einzugreifen. Letzteres ist nach Ansicht der Experten der effektivere Weg: Sie fordern, Kinder selbstständiger lernen zu lassen.

Wenn die Eltern am Nachmittag mit den Kindern lernen (müssen), bleibt weniger Zeit für die schönen Dinge: So ergibt die Elternstudie, dass sich fast die Hälfte (48 Prozent) mehr Zeit für gemeinsame Ausflüge mit der Familie wünscht. 58 Prozent der Eltern leiden darunter, zu wenig Zeit für sich selbst zu haben.

Die aufgeführten Zahlen sind das Ergebnis einer repräsentativen, bundesweiten Umfrage, die Forsa im Auftrag von scoyo durchführte. Befragt wurden 1.005 Personen im Alter von 25 bis 59 Jahren mit Kindern unter 18 Jahren im Haushalt.

Ausführliche Ergebnisse zu finden unter: www.scoyo.de/Elternstudie