Wem gehört die ökonomische Bildung? Die Wirtschaftslobby und ihr nahestehende Initiativen, sagt eine neue Studie, bilden zusammen mit einigen Wirtschaftsdidaktikern ein politisch-pädagogisches Netzwerk, das eng mit CDU und FDP und parteinahen Stiftungen verbunden sei.

"Wirtschaftsverbände und ihnen nahestehende Organisationen fordern nicht nur ein eigenständiges Schulfach Wirtschaft. Sie wollen auch beeinflussen, was dort gelernt wird", so die Initiative für eine bessere ökonomische Bildung (iböb). Insbesondere die Finanzindustrie überschütte die Schulen mit Materialien, dränge ins Klassenzimmer und lasse dort etwa ihre Mitarbeiter über finanzielle Allgemeinbildung unterrichten. Das vermische öffentlichen Bildungsauftrag und private Geschäftsinteressen.

Dies sind einige Ergebnisse aus Analysen von Lucca Möller und Reinhold Hedtke (Universität Bielefeld). Sie wurden jetzt unter dem Titel "Wem gehört die ökonomische Bildung? Notizen zur Verflechtung von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik" als working paper no. 1 der iböb veröffentlicht.

In der ökonomischen Bildung an Schulen sähen die Wirtschaftslobby und ihr nahestehende Initiativen ihre Chance, für Positionen der privaten unternehmerischen Wirtschaft, des wirtschaftsliberal-konservativen Parteienspektrums und dazu passender wirtschaftswissenschaftlicher Konzepte zu werben. Das belegten Bildungskonzepte und Unterrichtsmaterialien, die die Lobbygruppen entwickelten und mit erheblichem Aufwand unter Kindern und Jugendlichen und an Schulen verbreiteten.

Ein Schulfach Wirtschaft im Sinne der Wirtschaftsverbände und ihrer Partner marginalisiere Positionen und Perspektiven von Gewerkschaften, Umwelt-, Sozial- und Verbraucherverbänden sowie kapitalismus- und globalisierungskritische Ansätze. Wissenschaftlicher und politischer Pluralismus seien nicht ernsthaft gefragt, politische Positionen aus dem Mitte-Links-Spektrum blieben meist ausgeblendet.

Die Ergebnisse der Bielefelder Vorstudien, so deren Verfasser, ließen befürchten, dass ein Schulfach Wirtschaft zum Fach der Wirtschaft und der Wirtschaftsverbände werde.

Die Studie gibt es hier: www.iboeb.org/moeller_hedtke_netzwerkstudie.pdf

www.iböb.org

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