Der mit Spannung erwartete Vorschlag der Verwaltung zu den neuen Aufnahmekriterien bei Übernachfrage liegt jetzt vor. Erstmalig wird es Berlins Schulen – Integrierten Sekundarschulen wie Gymnasien –  durch das jüngst verabschiedete Schulgesetz ab dem Schuljahr 2011/12 möglich sein, bei einer Übernachfrage mindestens 60 Prozent der neu in der Jahrgangsstufe 7 aufzunehmenden Schüler selbst auszuwählen.

Übernachgefragte Schulen werden künftig bis zu zehn Prozent der verfügbaren Plätze an so genannte „Härtefälle“ vergeben können. Auch Geschwisterkinder werden hiernach vorrangig aufgenommen. Für die Vergabe von 60 Prozent der vorhandenen Plätze sowie frei gebliebene „Härtefall-Plätze“ sollen verschiedene Kriterien zugrunde gelegt werden:

  1. die Durchschnittsnote der Förderprognose. Für die Förderprognose wird der Durchschnitt der Noten der Halbjahreszeugnisse der 5. Klasse/2.Halbjahr und der 6. Klasse/1.Halbjahr gebildet. Die Noten in Deutsch, Fremdsprache, Mathematik und Naturwissenschaften zählen doppelt.
  2. die Notensumme von bis zu vier Fächern der beiden letzten Halbjahreszeugnisse, die das Profil der Schule oder der jeweiligen Klasse kennzeichnen. Dabei können einzelne Noten doppelt gewichtet werden.
  3. Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler, die auch außerhalb der Schule erworben sein können.
  4. das Ergebnis eines profilbezogenen Tests – schriftlich oder mündlich – oder in Form einer praktischen Übung.

Aus den vier Aufnahmekriterien kann die Schulkonferenz laut dem vorgelegten Entwurf rechtssicher Kriterien auswählen, die am besten zum Profil der einzelnen Schule passen. Es sind Kombinationen, Rangfolgen und prozentuale Gewichtungen möglich. Auch können unterschiedliche Profile für einzelne Klassen gebildet werden.

Mit dem neuen Aufnahmeverfahren wird der Wohnort eines Kindes keine Rolle mehr bei der Aufnahme in die gewünschte weiterführende Schule spielen. Somit ist nun jede Schule im Stadtgebiet von jedem Kind und seinen Eltern im Anmeldeverfahren wählbar. Über die Vergabe der letzten 30 Prozent der Plätze wird bei Übernachfrage das Los entscheiden.

Der Losentscheid ist eine Chance für Kinder, die über das Auswahlkriterium keinen Platz erhalten konnten. Beim Losentscheid - vorgesehen nur an der Erstwunschschule - haben alle angemeldeten Kinder die gleiche Chance.

Wird ein Kind nicht über die Härtefallregelung, die Aufnahmekriterien oder den Losentscheid an der Erstwunsch-Schule aufgenommen, versucht das Schulamt den Zweit- oder Drittwunsch zu erfüllen. Sollte sich herausstellen, dass eine zunächst nicht übernachgefragte Zweit- oder Drittwunschschule nun auch mehr Anmeldungen als Plätze aufweist, ist dort die Durchschnittsnote der Förderprognose für die Aufnahme ausschlaggebend.

Die neue Förderprognose unterscheidet sich vom bisherigen Grundschulgutachten: Entscheidend sind nur noch die Noten des zweiten Schulhalbjahres der 5. und die Noten des ersten Halbjahres der 6. Klassen. Bisher wurde das erste Halbjahr der 5. Klasse dazugezählt, das erste Halbjahr der 6. Klasse zählte doppelt.

"Da gibt es noch einige offene Fragen", sagt Ruby Mattig-Krone vom Vorstand des Landeselternausschusses. So müsse noch geklärt werden, welche Schüler in den Lostopf für Profilklassen kommen. Müssen diese Schüler dieselben Kriterien erfüllen, die die Schulkonferenz für diese Klassen festgelegt hat oder ist der Lostopf offen für alle? Gilt die Losquote vielleicht bezogen auf eine Schule, und können dadurch "Profilklassen" und "Losklassen" gebildet werden.

Gut findet Mattig-Krone, dass erst die 10 Prozent Härtefälle vergeben werden, danach die Schule ihre Plätze vergibt. "Die Losquote liegt dann bei maximal 30 Prozent und nicht höher, das ist vertretbar." Auch der Kriterienkatalog, den die Schulkonferenzen für ihre Aufnahmeregelungen anwenden können, sei praktikabel und sorge für Transparenz und ein faires Verfahren.

LEA Vorstandsmitglied René Faccin sieht Probleme bei einem möglichen Testverfahren. "Das durchschaubar zu gestalten, dürfte schwierig werden." Fehlende Transparenz berge Gefahren, die dazu führen könnten, dass dieses Auswahlverfahren nicht gerichtsfest ist. Elternklagen wären die Folge. Offen sei auch, ob Schüler aus kooperierenden Grundschulen bevorzugt aufgenommen werden können. Außerdem müsste seiner Ansicht nach ausgeschlossen werden, dass Schulen die Berwertung des Arbeits- und Sozialverhaltens in ihren Kriterienkatalog aufnehmen.

Diese offenen Fragen müssen jetzt diskutiert werden. Der Entwurf geht jetzt in die nach dem Schulgesetz vorgesehene Gremienbeteiligung.

Weitere Informationen unter www.berlin.de/sen/bildung/bildungspolitik/schulreform

Die Bildungsverwaltung bestätigte mittlerweile die Möglichkeit der unterschiedlichen Losquote in den verschiedenen Klassen einer Schule. Lesen Sie dazu unseren Kommentar:
berlin-familie.de/schule/geplantes-losverfahren-an-berliner-oberschulen-kommentar.html

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