Der Landeselternausschuss hat sich positioniert: Nicht mehr als ein Achtel des Lehrerkollegiums einer Schule sollen aus nicht voll ausgebildeten Lehrkräften bestehen. Eine Forderung, die auch Bildungsforscher erheben.

„Wie gut das Lernen in der Schule gelingt, hängt von zahlreichen Faktoren ab“, formuliert das oberste Elterngremium in einem Beschluss. Doch kaum etwas sei wichtiger als das qualifizierte Agieren der Lehrperson im Unterricht. Da Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit „entscheidend von gut ausgebildeten Lehrkräften abhängen“, verlangt der LEA, das Thema zur „Chefsache“ zu machen und fordert den Regierenden Bürgermeister Michael Müller auf, folgende Punkte umzusetzen:

•    Pro Lehrerkollegium dürfen max. 1/8 Quereinsteigende und sonstige nicht vollausgebildete Lehrkräfte eine Unterrichtsverpflichtung haben.
•    ein Referat mit erweiterter Handlungsbefugnis zu installieren, das sich der vorgenannten Problematik umgehend annimmt,
•    umgehend einen Krisenstab unter Mitwirkung aller relevanten Berliner Lehrkräfteverbände und des Landeselternausschusses einzusetzen.

Zuvor hatte Thomas Tursics, Mitglied des Landeselternausschusses, wieder einmal seine Kenntnisse als Open-Data-Experte genutzt und Daten aus einer Anfrage im Abgeordnetenhaus von Berlin „Lehrkräfte-Quereinsteigende in den Berliner Schulen im Schuljahr 2018/2019“ in einer Karte visualisiert. Hier können verschiedene Thesen geprüft werden, wie die Frage, ob sich Quereinsteigende auf die Außenbezirke konzentrieren (Nein!) oder ob sie sich auf Brennpunktschulen der Schulform Grundschule konzentrieren (Ja!).

Mit wenigen Klicks lassen sich bestimmte Filter einstellen und somit verschiedene Analysen durchführen. Die Schulen haben zur besseren Darstellung idealisierte Einzugsbereiche. Diese sind grün, orange oder rot eingefärbt. Grün bedeutet, es gibt keine Quereinsteigende. Orange zeigt Quereinsteigende mit einem Anteil zwischen 1-24% und rot markiert eine Quote von 25% und mehr.

Eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung zur Verteilung der Quereinsteiger an Berliner Grundschulen offenbarte ein Gefälle zwischen armen und reichen Schulen: „Wie viele Quereinsteiger an einer Schule sind, hängt stark davon ab, wie viele Kinder aus armen Haushalten diese Grundschule besuchen. Gemessen wird dies am Anteil der Kinder mit Lernmittelbefreiung. An Brennpunktschulen unterrichten doppelt so viele Quereinsteiger wie an Schulen mit vielen Kindern aus finanziell besser gestellten Familien.“ Auch die Autoren dieser Studie empfehlen, den Anteil der Quereinsteiger pro Schule zu begrenzen.

Die Bildungsverwaltung setzt derweil ausschließlich auf Qualifizierung. „QuerBer“ heißt das Weiterbildungsprogramm, das alle Einsteiger in den Lehrerberuf absolvieren. Es besteht aus „mehreren Tagen“ Vorbereitung, „Paten“ für die ersten Unterrichtswochen sowie Veranstaltungen zu unterschiedlichen Erziehungs- und Unterrichtsthemen.

Lesen Sie auch unseren Beitrag zur prekären Situation der Berliner Schulen anlässlich des Beginns des Schuljahres 2018/2019.

 

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit (Karl Valentin)

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